Reifentest: Metzeler Karoo – der Grobian
Zuerst haben wir den Enduro-Reifen Metzeler Karoo auf eine Cagiva Elefant 900 gezogen und uns an der ersten Ecke fast auf die Fresse gelegt. „Unfahrbar“, „der kommt gleich wieder runter“ und „so ein Mist“ waren die Urteile nach dem ersten Testkilometer – und wir lagen falsch.
Der Karoo ist ein Motorrad-Reifen mit vielen Gesichtern und wer erstmal seine Vorteile kennen gelernt hat, wird ihn mögen. Deshalb haben wir ihn auch gleich noch auf eine Suzuki DR 800 Big gezogen.
„Überzeugende Kraftübertragung im Gelände und auf Asphaltetappen“ lautet die Beschreibung von Metzeler selbst und das bringt die Sache schon ganz gut auf den Punkt. Wer einen Karoo aufzieht, bewegt sein Motorrad öfter mal im Dreck und da zeigt der Grobstollige seine Stärken. Auf trockener Straße vermittelt er nicht gerade das Gefühl von Sicherheit. Geht man in Schräglage, sind die großen Lücken zwischen den Stollen deutlich zu spüren – was zuerst als kippelig empfunden wird, ist mit etwas Übung pure Handlichkeit. Und er fabriziert ausgewachsene Vibrationen ins Fahrwerk, an der Suzuki haben sich bereits zwei Dezibel-Killer losvibriert. Nebenbei fabrizieren die Reifen eine Geräuschkulisse, die einem ATV entspricht.
Auf nasser Straße entwickelt sich der Ritt auf dem Karoo zur wahren Freude. Die Haftung ist prima und so was wie Aquaplaning völlig unbekannt. Selbst bei sintflutartigem Regen pflügen sich die großen Enduros ihren Weg. Wir haben das bei einer Unwetterwarnung ausprobiert und während die wenigen Autos, die sich noch auf die Straße getraut haben, dahin gekrochen sind, ist die DR Big an allen vorbei geballert. Und hätte uns die Windböe tatsächlich in den Graben geschoben – was sie ernsthaft versucht hat – wären wir vermutlich ungerührt weiter gefahren. Denn hier beginnt nämlich der Spaß mit dem Karoo.
Ab in den Graben!
Wer den Teer verlässt, muss dabei nicht wirklich vom Gas gehen, der Metzeler Karoo bietet auf losem Untergrund richtig guten Halt. Egal, ob Schotter, Dreck oder Wiese, die groben Stollen beißen ordentlich zu und das fehlende Gefühl an Sicherheit auf trockener Straße wird hier wieder wettgemacht. Zudem hat dieser Motorrad-Reifen eine M+S-Kennung und ist damit offiziell als Winterreifen zugelassen.
Metzeler Karoo – ultra-variable Laufleistung
„Der Karoo hält nur 6.000 Kilometer“ muckieren sich Enduro-Fahrer in einschlägigen Foren. Jetzt ist es so, dass der vordere Reifen für 60 bis 70 und der hintere für 80 bis 90 Euro zum Verkauf stehen. Da halten wir eine Laufleistung von 6.000 Kilometern erstmal für einen fairen Deal. Aber beim Test hat sich gezeigt, dass nur 6.000 Kilometer weit kommt, der seine Enduro geschmeidig rollen lässt. Wer den 800-Kubik-Einzylinder ordentlich anfeuert, schrubbt den Hinterreifen locker in 3.000 Kilometern runter. Bei der Cagiva Elefant 900 wird der Reifenverbrauch regelrecht tragisch: Schon nach vier Tankfüllungen, also rund 1.000 Kilometern, ist der Reifen schon so stark verschlissen, dass nicht mehr als weitere vier Tankfüllungen drin sein werden. So wird der Metzeler zum schwarzen Gold.

Kundenfeedback (1)
Ich fahr ganzjährig die Bridgestone "Snowmaster". Das fetzt richig!