Freitag, 10 September 2010

Motorrad-Tour: Duisburger Innenhafen zum Niederrhein

Motorrad-Tour: Duisburger Innenhafen zum Niederrhein

Motorrad fahren nach Duisburg? Mit dem Bild von rostenden Fördertürmen, rauchenden Schornsteinen und einem pöbelnden Schimanski vor dem inneren Auge, wenden sich die meisten Biker kopfschüttelnd ab. Da gibt es bessere Orte für eine Motorrad-Tour in Deutschland. Dass die Stadt auch interessante Orte und der naheliegende Niederrhein nicht nur Altbier und Kopfweiden, sondern auch hervorragende Motorradstrecken zu bieten hat, wissen nur die Wenigsten.

Der Duisburger Innenhafen hat sein Gesicht in den letzten 50 Jahren dramatisch verändert. Wo 1960 noch Lagerhallen und Fabrikgebäude das Bild dominierten, haben heute moderne Bürogebäude und Restaurants ihren Platz. Lediglich die alten Kaikräne und die ehemalige Speicherzeile zeugen noch vom regen Treiben, das hier ehemals geherrscht hat. Bei einem Kaltgetränk sitzen wir hier und geniessen das Hafenflair. Nach einer Stärkung brechen wir auf, wir haben noch einiges vor.

Über die A59 fahren wir Richtung Wesel, um von dort aus auf die A42 zu wechseln. Nach wenigen Kilometern ist unser erstes Ziel erreicht: der Landschaftspark Nord.

Die "Rheinischen Stahlwerke zu Meiderich bei Ruhrort", später Tochterunternehmen eines international tätigen Stahlkonzerns mit Betrieben in Duisburg, waren von 1901 bis 1985 in Betrieb. Nach der Stilllegung wurden Teile des Stahlwerks abgerissen und die Fläche sich selbst überlassen. Ab 1990 wurde das Gelände umgestaltet und ist seit 1994 für Besucher zugänglich. Wir stellen unsere Maschinen ab und folgen dem ausgewiesenen Pfad. Mit ein wenig Vorstellungskraft lassen sich die Stahlkocher noch sehen, wie sie mit einer Kippe im Mundwinkel den nächsten Abstich vorbereiten. Die Hochöfen strecken ihre lange erloschenen Schornsteine majestätisch in die Höhe, während sich um sie herum die Natur das zurückholt, was ihr genommen wurde. Wir atmen die Nostalgie in der Luft ein und verabschieden uns von diesem Ort, der nachdenklich stimmt – wir wollen auf die andere Rheinseite.

Duisburg – grau und hässlich, aber gutherzig und voller Leben

Über die Autobahn 42 überqueren wir den Rhein. Direkt nach der Rheinbrücke (Abfahrt Baerl) fahren wir ab, schließlich wollen wir auf die Landstraße. Jetzt fahren wir die L475 Richtung Eversael/Rheinberg und geben unseren Maschinen die Sporen. Mit Blick auf den Rhein fahren wir den Deich entlang und geniessen die Kurven. Perfekt, so muss das sein. Durch das Dörfchen Eversael fegen wir durch und nach einem weiteren kurvenreichen Abschnitt kommen wir in dem Städtchen Rheinberg an. Hier lässt sich der berühmte Kräuterlikör in den kleinen Flaschen direkt an seinem Herstellungsort geniessen. Da wir aber noch fahren wollen, lassen wir das Trinken sein und machen uns auf den Weg zum Altbierdorf Issum. Nach einem Abstecher ins Brauereimuseum geht es von hier aus direkt auf die L362/L491 Richtung Kapellen Kevelaer, der Motorradstrecke am Niederrhein überhaupt.

Kurvige Abschnitte wechseln sich hier mit langen geraden ab und bereiten uns großen Spaß. Nach dem Örtchen Kapellen geht der Kurvenspaß weiter. Die Landschaft ist typisch Niederrhein, überall sind Kopfweiden zu sehen. Die berühmte "Applauskurve" erkennen wir durch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h schon von Weitem. In ihrer Innenseite sitzen pausierende Biker und beobachten unsere Kurvenfahrt mit sachkundigen Blicken. Vorsicht: Die Rennleitung versteht hier keinen Spaß! (Der Autor berichtet aus Erfahrung.)

Nach weiteren sechs Kilometern Landstraße erreichen wir unser Ziel, den Wallfahrtsort Kevelaer. Hier findet jedes Jahr die überregional bekannte Motorradwallfahrt statt. Wir setzen uns in ein Straßencafe an der Gnadenkapelle und trinken einen Espresso. Nach einer schönen Ausfahrt geht es bald wieder zurück ins Ruhrgebiet – einer ganz anderen Welt.

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