Harley-Davidson Road King „Police“ - Testbericht
„Die macht echt Spaß“, sagt der Händler des Vertrauens und ich bin ehrlich kritisch. „Doch ganz ehrlich, ich schwör“, meint er und ich denk, dann fahr ich das Ding mal und wir werden sehen.
Rund 350 Kilo fahrfertig. Haben die ein Stahlwerk gekauft und wissen nicht wohin mit dem ganzen Zeug? Dann bauen wir das halt alles in die Motorräder rein? Und genau so fühlt sich das auch beim rangieren an. Wenn Dir diese Fuhre umfällt, kommt der Katastrophenschutz mit dem Bergekran. Und dann ist das auch noch ein Polizeimotorrad.
Der rote Lederkombi, die Handschuhe mir Carbon-Hartschalen und der Integralhelm sorgen bei den Anwesenden für Erheiterung. Und irgendwie kommt man sich fehl am Platz vor.
Aus dem Hof raus geeiert geht es auf die Landstraße. Und da hält die fette Amerikanerin ein paar Überraschungen bereit: Kurvenfahren macht mit diesem Fahrzeug wirklich Spaß. Nicht zu fassen. Ist die Fuhre erstmal in Bewegung, merkt man nichts mehr von der Schwerfälligkeit beim rangieren. Locker leicht geht das um die Ecken.
Die Sitzposition ist Marke „Lokus“, aber bequem. Die Füße wissen anfangs nicht so recht wohin und stehen irritiert weit vorne auf riesigen Trittbrettern. Und hochschalten per Ferse auf der Schaltwippe ist irgendwie anders.
Nach ein paar Kilometern kommt allerdings Langeweile auf. So richtig will auf diesem Bike dann doch nichts passieren. Irgendwie fang ich an zu zweifeln, warum so viele vom wahnsinnigen Fahr- und Lebensgefühl auf einer Harley schwärmen und denk, irgendwie muss doch auch was dran sein, dass sich nicht wenige Kunden diese Kisten gerade in der Midlife-Crisis kaufen. Vielleicht bin ich einfach zu gut drauf?
Gelächter bringt die Hupe. Da hat irgendein Spaßvogel das Modell „Aida light“ verbaut.
Mit den Kilometern gefällt dann der Sound immer besser. Zwischengas macht echt Spaß, und bei 3.000 bis 3.500 Umdrehungen ist der Klang echt spitze. Wird die Straße schlechter, gammelt die Harley ein bisschen in der Gegend rum, aber nie wirklich heftig. Der Motor schiebt und schüttet ordentlich und das Bike lässt sich auch schnell mal für ein Überholmanöver beschleunigen. Es muss nicht immer nur gediegen gefahren werden, ziemlich flott geht’s ziellos durch die Rhön und auf dem Rückweg will ich sie dann eigentlich doch noch nicht abstellen. Also nochmal abgebogen und dann passiert es. Gerade komme ich die Hochrhön herunter, die Landschaft im Blick und am Horizont geht die Sonne unter. Auf einen Schlag sind 50 Sachen genug und ich genieße den Ausblick und das brabbeln des Motors. Zwischendrin noch ein paar Kurven mitgenommen und wieder das Mittelgebirge angeschaut. Und jetzt weiß ich endlich, wovon die alle reden. Das ist doch tatsächlich ein Fahrgefühl, dass man als Pilot von Sportmotorrädern so nicht kennt. Einfach schön.
Also klar ist, man braucht nicht unbedingt eine Midlife-Cisis, um sich diesen Stuhl zu kaufen. Wer auf echte Schräglage verzichten kann und das nötige Kleingeld mitbringt, kann hier seinen Spaß finden.

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