Sonntag, 25 Juli 2010

Triumph Thruxton 900 (2010) – Testbericht

Triumph Thruxton 900 (2010) – Testbericht

Die Thruxton stammt aus der Modern Classics Baureihe von Triumph. Das Motorrad mit dem 865-Kubik-Parallel-Twin vereint klassische Cafe-Racer-Optik mit moderner Technik. Unter den vermeidlichen Vergasern arbeitet eine Einspritzanlage und man fühlt sich beim Fahren an vergangene Tage erinnert. Oldschool-Look und Oldschool-Sitzhaltung vereinen sich zu modernem Fahrspaß. Der Cafe Racer wird auch als Sonder-Edition Triumph Thruxton SE angeboten.

Irgendeiner hat hier gerade am Tisch behauptet, „die Runde“ bis zur Mitte der 3. Strophe fahren zu können und ich bin ehrlich genervt.

Hier“ ist unsere Stammkneipe. „Die Runde“ ist eine 15 Kilometer lange Strecke rund um unsere Stammkneipe und so was wie unsere private Rennstrecke. Die „3. Strophe“ ist die 3. Strophe von AC/DCs „Problem Child“, denn das ist der Soundtrack und der Zeitraum, in dem es gilt, die Runde zu fahren. Wir sind Cafe Racer, genau wie unsere Motorräder.

Ich murmle „ihr könnt mich mal“, gehe rüber zur Jukebox, werfe eine Münze ein und wähle Problem Child. Im raus gehen nicke ich dem Wirt zu, sodass ein Erfrischungsgetränk bereitsteht, wenn ich spätestens zum Anfang der 3. Strophe wieder da bin. Es ist eine laue Nacht, die genug frische Luft für die fünf PS mehr am Abend und genug Wärme für ordentlich Grip an den Reifen bringt. Ideal, um den Nasen drinnen zu zeigen, wie schnell man um den Block heizt. Die Kippe weggeschnippt, den Jet-Helm aufgesetzt und die Thruxton angefeuert.

Triumph Thruxton - sanfter aber bestimmter Schub

Ich biege auf die Hauptstraße und schalte die Gänge durch. Die Thruxton schiebt sanft aber bestimmt voran, bei knapp 6.000 Umdrehungen liegt das Drehmoment von 70 Nm an, bei 7.400 Umdrehungen die 69 PS, jetzt klingt der Twin rasselnd und schiebt fleißig weiter bis in den roten Bereich. So beschleunigen wir aus dem Ort heraus auf die Gerade bis auf 180 Sachen, die Thruxton läuft schön geradeaus, die Nadel des Drehzahlmessers kratzt im 5. Gang am roten Bereich. Dann die Erste rechts, die wir mit 130 Sachen nehmen und vorher die Einscheiben-Bremse bemühen. Leichtes Spiel für die 320-Millimeter-Scheibe, sie verzögert ordentlich bei guter Dosierbarkeit.

Die Kurve nimmt die Thruxton lässig, wir haben ja auch optimale Straßenverhältnisse und der Cafe Racer gibt sich mit einem Radstand von 1.490 Millimetern recht handlich. Wir düsen die kurvige Strecke den Wald hinauf, auch hier liegt die Thruxton bei Schräglagen am Reifenrand unaufgeregt auf der Straße, vor den Kurven kurz angebremst und immer zwischen dem 4. und 5. Gang geschaltet.

Der nächste Abschnitt führt bergab aus dem Wald heraus und in der Senke über die Brücke. Der Übergang zur Brücke ist straßenbautechnisch eine Katastrophe und die Thruxton erinnert mit hartem Lenkerschlagen daran. Aber hier haben schon etliche Motorräder mit dem Lenker gehauen – die Thruxton jedenfalls beruhigt sich schnell und fährt weiter, als ob nichts gewesen wäre.

Im letzten Abschnitt wird die Straße schlechter und der Cafe Racer reicht Unebenheiten auch gerne mal durch. Das tut er übrigens besonders, wenn die Sozia hinten drauf sitzt. Wird die Straße schlechter, verschmutzt oder nass, würde man sich wünschen, dass die Leute von Triumph bei den Reifen nicht ins Regal der Metzeler Classic-Serie gegriffen hätten. Auch wenn das Aussehen mit Sportreifen nicht mehr so klassisch wäre, könnte man doch mehr Vertrauen in die Pneus setzen.

Die Thruxton und ich hetzen die lange Gerade zum Ort und parken vor der Kneipe ab. Bon Scott singt „So say bye bye“ und ich hab´s knapp verkackt. Aber anders hätten wir ja auch keinen Grund, das Spiel ewig weiter zu treiben.

Geschichte der Cafe Racer

Cafe Racer entstanden in den 1960er Jahren, als Motorrad-Fahrer von Kneipen wie dem Londoner Ace Cafe zu illegalen Straßenrennen starteten. Die Motorräder wurden mit einfachen Mitteln umgebaut, erkennen sind sie unter anderem an geduckten Lenkern, großen Scheinwerfern und einem schmalen Heck. Beim Ace Cafe war die „Rennstrecke“ der Weg vom Cafe zum nächsten Kreisverkehr und wieder zurück – der Rennpilot wählte zuvor ein Lied an der Jukebox, um die Strecke innerhalb der Spieldauer zurückzulegen.

 

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